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Altenrheine, 10.6.2019

 

 

Zwischenbericht von der Mitte der Fahrsaison 2019

 

 

Liebe Freunde und Verwandte

 

 

Wir sind bereits mitten in der Fahrsaison 2019. Von Potsdam haben wir uns schweren Herzens verabschiedet und sind am 2. April 2019 aufgebrochen, das Emsland zu erkunden. Das Pfingstwochenende und der Sturm Iwan verschaffen uns etwas Zeit für einen Halbjahres-Rückblick und einen Rundbrief, womit wir Euch von unsern jüngsten Erlebnissen erzählen wollen:

Es war nicht leicht, unserem dreimaligen Winterstandort adieu zu sagen. Einen ganzen Monat lang haben wir uns reihum von den in Potsdam und Berlin gewonnenen Freunden verabschiedet. Bei jedem Gang durch eine Strasse, bei jedem Besuch in einem Geschäft oder Museum, Kirche oder Schloss, beim Joggen durch die Parkanlagen von Sanssouci und Babelsberg: überall haben wir uns bewusst gemacht, dass es das letzte Mal war. Schwebend bleibt die Hoffnung, dass uns die Zeit geschenkt wird, diese herrlichen Menschen und Orte nochmals wiederzusehen.

 

 

Unterwegs von Spandau nach Brandenburg begleiteten uns Hans und Sabine, unsere Freunde aus Eisenhüttenstadt.

Im Alten Hafen von Rathenow überraschte uns Michael als Hafenverantwortlicher mit einer besonders freundlichen Reservation unseres reservierten Liegeplatzes.

 
 

Wir verabschiedeten uns da von den Freunden, die wir im Vorjahr kennengelernt hatten: Von Michael und Monika bei einem Barbeque in ihrem Heim, von Hans, Karin, Dirk und Dorothee beim Brunch auf der Terrasse von Dagens 2. Auch Ralf und Gisela aus Hohen Neuendorf bei Oranienburg kamen zu einem Abschiedsbesuch vorbei, den wir im nahen Restaurant "Alter Hafen" mit einer köstlichen Abendmahlzeit besiegelten.

Bei unserem Zwischenhalt in Bülstringen liessen es sich Brigitte und Hans-Georg sowie Heinrich und Karin nicht nehmen, uns mit ihren Autos in einem Tagesausflug die Städte Quedlinburg und Eisleben Lutherstadt zu zeigen, bevor wir uns mit einem Brunch an Bord unseres Schiffes auf der Fahrt von Bülstringen nach Wolfsburg auch von ihnen verabschiedeten. Unterwegs liess Brigitte ihr professionelles Geschick walten und verjüngte Bernadettes Haarschnitt.

Für die Fahrsaison 2019 haben wir uns zwei Ziele gesetzt. Wir wollen auf unserer Reise zwei Gegenden Deutschlands kennenlernen, die uns noch gänzlich unbekannte sind, nämlich das Emsland und das Ruhrgebiet. Im September werden wir am Friesland-Treffen des Schweizerischen Schleusenschiffer Klubs in Woudsend/Heeg (südlich von Sneek) beteiligen und danach gemütlich über die Randmere nach Amsterdam fahren, wo wir im Yachthafen Twellegea nördlich des Hauptbahnhofs (Amsterdam Centraal) einen Winterplatz reserviert haben.

Bereits liegt das Emsland hinter uns und wir sind auf dem Sprung, ins Ruhrgebiet einzutauchen. Nachfolgend ein paar Eindrücke und Erlebnisse vom Emsland:

 
 

Dieses liegt im Nordwesten des Bundeslandes Niedersachsen und grenzt im Westen an Holland. Der Verlauf des Stromes Ems bildet das Rückgrat dieser Region und das Einzugsgebiet seiner Zuflüsse die Ausbreitung im Gelände.

Flaches Marschland mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung paart sich wirtschaftlich mit einer starken Verbundenheit zur Seefahrt.

Es ist das Land, wo die Rhododendren blühn. Vor allem jetzt im Juni säumen Wälle von blühenden Rhododendren Häuser, Gärten und Ränder der Strassen.

 
 

Unsere Freundin Gabriele aus Potsdam war mit ihrer Schwester bei uns an Bord, als wir von Bremen über die zwei Gezeitengewässer Weser und Hunte nach Oldenburg fuhren. Am Folgetag führte uns Gabriele mit ihrem Auto zu ihrem Elternhaus in Varel, wo sie aufgewachsen war. Ihr pensionierter Vater führte uns als langjähriger Pastor persönlich um und durch "seine" Kirche. Zusammen mit ihrer Mutter fuhren wir nach Dangast und schauten über den bei Ebbe trocken gefallenen Jadebusen nach Wilhelmshaven. Zum Schluss überraschte uns Gabriele noch mit dem Rhododendron-Park von Westerstede. Auf 70 Hektar ist er nicht nur Deutschlands größter Rhododendronpark, sondern gilt auch unter Fachleuten als einer der größten und schönsten Europas. Auf dem 2,5 km langen Rundweg bewegten wir drei uns - unterm Regenschirm - von einer Blütenpracht zur anderen. Hier ein paar Bildeindrücke:

 
 

 
 

 
 

Auf der Weiterfahrt von Oldenburg über den Küstenkanal nach Papenburg wurden wir im Yachthafen Surwold in Börgermoor ganz herzlich für eine Übernachtung empfangen. Wir mussten dabei die gesammelte Fahrkunst mit Dagens 2 einsetzen, um die Kurve vor dem Yachthafen zu kriegen. Zum allseitigen Erstaunen gelang die Einfahrt ohne Schlepphilfe von aussen und wir verbrachten eine sehr ruhige Nacht. Eigentlich wären wir gerne noch länger bei diesen netten Leuten geblieben, doch unsere Neugierde auf die Meyer-Werft in Papenburg liess uns weiterreisen.

 
 

Papenburg hat ein tide-abhängiges System für die Schleusung von Sportbooten. Bei unserer Ankunft vor der Seeschleuse kurz nach 14 Uhr mussten wir bis nach 19 Uhr auf die nächste Sportboot-Schleusung warten. Dabei fiel der Wasserstand am Sportboot-Wartesteg bei Niedrigwasser unter 1 Meter. Da wäre die Dagens 2 seitlich abgegekippt. Mit einem Abstandhalter an einer grossen Dalbe haben wir uns davor retten können.

 
 

95 km von der Küste der Nordsee entfernt baut die Meyer-Werft im Landesinneren die grössten Kreuzfahrt-Hochseeschiffe für weltweit agierende Reedereien. Mit der durchgängigen Modulbauweise schafft es die Werft, in ihren Hallen pro Jahr 2 bis 3 dieser Schiffe zusammenzusetzen. Gemeinsam mit ihren Zulieferbetrieben ist sie der grösste Arbeitgeber im Emsland.

 
 

Über die bei Flut für 48 h aufgestaute Ems müssen die fertig gebauten Riesen mit kräftigen Booten ziehend und stossend rückwärts bis in den Seehafen von Emden gefahren werden. Die Emsüberführungen ziehen jedes Mal Tausende von Schaulustigen an. Zur Minimierung des Tiefgangs wird das Schiff erst in Emden mit allen beweglichen Utensilien und Möbeln ausgerüstet, bevor es dem Besteller übergeben wird.

 
 

Von unserem Liegeplatz im Papenburger Deverhafen aus besuchten wir zuerst die Stadt Papenburg mit ihrem ansehnlichen Backstein-Rathaus, den zwei Stadtkirchen, der holländischen Windmühle und den Parkanlagen, zu denen auch die Stadtgracht gehört, welche wie ein Lehrgang der verschiedensten Konstruktionstechniken von Zugbrücken überspannt wird.

 

 

 

 

Die Führung durch die Meyer-Werft war von A-Z professionell durchorganisiert. Man brauchte bloss beim Tourismusbüro einen Startzeitpunkt zu buchen und rechtzeitig beim Shuttle-Bus bereitzustehen. Es war eine eindrückliche Show und ein nachhaltiger Einblick in die Verwöhn- und Unterhaltungswelt der grossen Kreuzfahrtschiffe. Die "Spirit of Discovery" stand in der Schlussmontage und vermittelte von Zuschauerfenster aus einen anschaulichen Blick in die Arbeitswelt in der Werfthalle. Das Schiff wurde in der Nacht vom 26./27.5.2019 von Papenburg nach Emden überführt, was filmisch festgehalten wurde und auf YouTube für den interessierten Leser zur Verfügung steht.

Interessantes Detail: In Papenburg entstehen nur Neubauten. Für Reparaturen und Unterhalt wäre die Emsüberführung hin und zurück viel zu aufwändig.

Trotz aller positiver Eindrücke von diesen Luxus-Linern: Wir bleiben bei unserer Dagens 2 und fahren damit gerne weiter.

 
 

Unser nächstes Ziel war Leer, wo wir den Rest des Monats Mai in der gut ausgerüsteten und vom Hafenmeister Haijo Akkermann bestens betreuten City-Marina verbrachten. Leer ist in unserem bisherigen Erlebnishorizont eine der willkommensfreudigsten Städte. Selbst die Pfleger des öffentlichen Raumes kamen, gaben uns die Hand und hiessen uns in Leer willkommen. In und um Leer herum liessen wir unsere Augen schweifen und besuchten zahlreiche interessante Orte.

 
 

Schloss Evenburg überraschte uns mit einer Ausstellung historischer Fahrräder ab deren Erfindung und mit einem Frühlingsfest im Park.

Während Bernadette zum Muttertag zu ihrer Mutter in die Schweiz reiste, fand im Hafenbecken vor unserem Liegeplatz ein Drachenboot-Rennen statt

 
 

Auf dem Fahrrad besuchten wir das Fehnland, wo Jahrzehnte lang Torf zu Heizzwecken abgegraben worden war und das mit einem feinmaschigen Netz von kleinen Wasser-Kanälen zum Zwecke des Torf-Abtransportes durchzogen ist. Bernadette probierte auf dieser Tour mit Erfolg ein e-Bike aus, das wir beim Tourismusbüro in Leer preisgünstig mieten konnten. Es war ein frischer Tag, was man an unsern Kleidern sieht.

 
 

Leer ist eine pittoreske Stadt mit zahlreichen historischen Häusern, wie das Haus der Weinhandlung Wolff mitten in der Fussgängerzone. Im Erdgeschoss wird im historischen Verkaufslokal noch immer aktiv Wein und Schnaps verkauft. Der animierende plattdeutsche Wandspruch heisst:

Söte Melk is för de Kinner

Süsse Milch ist für die Kinder

Sure Melk is för de Swien

Saure Milch ist für die Schweine

Water supen Peer un Rinner

Wasser saufen Pferd und Rinder

Doch för ons gaff Gott de Wien.

Doch für uns gab Gott den Wein.

 

Im 1. Stock zeigt die Firma die früheren Privaträume der Kaufmannsfamilie, was man erst erkennt, wenn man das Geschäftslokal betritt. Versteckt, aber fein!

 
 

 
 

Mit einem Tagesausflug per Bahn und Fähre lernten wir die ostfriesische Insel Borkum kennen und stiegen die 308 Stufen zur Aussichtsplattform des Neuen Leuchtturms hoch. Hat sich gelohnt und erst noch etwas über die Leuchtfeuer-Technik im Bereich der Emsmündung erfahren.

 
 

In Emden fanden vom 30. Mai bis 2. Juni 2019 die Matjestage statt, eine über 450 Jahre lange Tradition der Emder Heringsfischerei, mit vielen historischen Schiffen aus dem In- und Ausland, mit Shanty Chören, Jahrmarktbuden, dem Matjes-Lauf für alle Altersklassen, und viel, viel Hering in allen Zubereitungsarten.

Mit den uns besuchenden Freunden Wilfried und Elke aus Berlin / Minden zusammen schlenderten wir am Samstag durchs Volksfest, besichtigten einen historischen Seenotkreuzer, schauten uns die Kesselschleuse an und kosteten im Museums-Restaurant Matjes-Filet mit Kartoffeln und Salat.

 
   
 

Auf dem Rückweg nach Leer besichtigten wir noch das Ems-Sperrwerk, welches bei Sturmflut das Meerwasser abhält, um im Emsland Überschwemmungen zu verhindern, und andererseits zu Gunsten der Meyer Werft bei Bedarf das Flutwasser im Binnenbereich aufstaut, damit die grossen Kreuzfahrtschiffe über die Ems das tiefe Wasser der Nordsee erreichen können.

 
 

Mit der Verkostung einer ostfriesischen Teemischung aus dem Handelshaus Bünting rundeten wir unsern Besuch im Tee-Museum von Leer ab. Mit Erstaunen haben wir zur Kenntnis genommen, dass der Teebeutel, mit dem wir heutzutage in grösster Selbstverständlichkeit unsern Tee zubereiten, erst in dern 50er Jahren des letzten Jahrhunderts erfunden worden ist, mithin also etwa so alt ist wie wir. Ach, es gäbe noch so viel mehr von Leer zu erzählen!

Am 4. Juni 2019 sahen wir zum letzten Mal, wie sich der Hubbrückenabschnitt der in Leer quer über das Hafenbecken führenden Dr.-vom-Bruch-Brücke hob und uns in Richtung Seeschleuse Leer verabschiedete. Von da weg streben wir unserem nächsten Reiseziel zu: dem Ruhrgebiet. Wir freuen uns, dass mehrere Personen aus unserem Freundeskreis unser Interesse teilen und ein paar Tage mit uns reisen werden.

 
 

Gespannt auf alles, was uns da noch erwartet, grüssen wir Euch ganz herzlich.

 
 

 
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Am 1.Oktober 2019 werden wir voraussichtlich in der Marina Twellegea in Amsterdam eintreffen und dort für die Wintermonate bleiben.
 

 

 

 

 

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