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Sommerbericht 2015              Dijon, 30.6.2015

 

 

 

 

Bereits ist die erste Hälfte der diesjährigen Fahrsaison vorbei. Höchste Zeit, wieder etwas von uns hören bzw. lesen zu lassen.

 

 

Es geht uns gut.

 

 

 

 

Wir erfreuen uns bester Gesundheit. Kein Wunder. Eure diesbezüglichen Wünsche begleiten uns Tag für Tag. Wer denkt, das Leben auf dem Schiff könnte einem mit der Zeit langweilig werden, irrt. Zum ersten will ja unser Körper seine tägliche Portion an Bewegung. Dem entsprechen wir jeweils frühmorgens, wann immer wir können, mit einem stündigen Jogging und einigen Beweglichkeitsübungen, die uns unsere Freundin und Bio-Kinematiktherapeutin Elsbeth mit auf den Weg gegeben hat.

 

 

 

 

Dann hält uns unser Haushalt im Schuss und was wir täglich verzehren, muss auch nachgeschoben werden. Dafür sind wir jeweils zu Fuss mit Einkaufsrolli oder per Velo mit Satteltaschen unterwegs.

 

 

 

 

Mit vollen Einkaufstaschen zum Schiff zurückzukehren, stellt unser periodisches Krafttraining dar. Sommerlich heisse Temperaturen verleiten uns ab und zu, vom Schiff ins Wasser zu steigen und ein erfrischendes Bad zu nehmen.

 

 

 

 

Mit Spaziergängen zu interessanten Sehenswürdigkeiten, mit Kochen, Abfallentsorgung, auf dem Hafenrundgang die neu angekommenen Boote beschauen und ab und zu die aufgestaute Schmutzwäsche in eine "laverie automatique" bringen, vergehen die Tage nur allzu schnell. Und dann fahren mit der Dagens 2, durch herrlich grüne Landsdchaften und über viele, viele Schleusen. Immer wieder finden wir einen geeigneten Liegeplatz zum Übernachten, teils komfortabel, teils ganz einfach, manchmal in bewohntem Gebiet, manchmal aber auch in Natur pur.

 

 

 

 

 

Wir schwatzen viel

Im vergangenen Winter hat Bernadette mit unserer Hafennachbarin Christine intensiv französisch gelernt und die Scheu, es anzuwenden, verloren. Unterwegs an Liegestellen und Yachthäfen finden wir immer wieder gesprächsfreudige Nachbarn oder vorbeigehende Spaziergänger, die sich für unser Hausboot interessieren. Aus gar manchem dieser Gespräche ergibt sich eine Wechselwirkung, ein gegenseitiges Besuchen und Kennenlernen bis hin zu Freundschaften, die uns auf unseren künftigen Fahrten begleiten und mit denen wir Kontakt aufrecht erhalten. Dabei gehen die Gespräche manchmal nahtlos von Französisch ins Englische und Niederländische. Wenn dann gar noch jemand mit Deutsch dazu kommt, ist der Aktiv-Wortschaft in unserem Gehirn manchmal überfordert und weiss nicht mehr, welches Wort zu welcher Sprache gehört.

 

 

 

 

Aber das ärgert niemanden, denn man will sich ja verstehen und hilft sich gegenseitig mit den richtigen Übersetzungen weiter. So ist denn schnell mal klar, dass ein deutscher schlauer Bursche ein holländischer "slimme vendt" oder ein französischer "petit malin" bzw. ein englischer "cunning fox" ist. Wie bildreich doch die Sprachen sind!

 

 

Wir er-fahren Frankreich

Als wir Ende März unsern Winterhafen in Cergy verliessen, stand uns als erstes Highlight dieser Fahrsaison eine Durchquerung von Paris bevor. Auf dieser Strecke haben uns Ueli und Ursula begleitet.

 

 

 

 

En passant par "La Défense".

 

 

 

 

In zwei Tagesetappen näherten wir uns dem touristischen Zentrum mit Eiffelturm, Louvre und Notre-Dame-deParis. Dazwischen entdeckten wir viele Orte, die wir in den zwei vergangenen Wintern zu Fuss erreicht und gesehen hatten.

 

 

 

 

Die Vertrautheit mit dieser Stadt und mit vielen ihrer Örtlichkeiten machte unsere Durchquerung auf dem Wasser doppelt interessant und wir konnten all die schönen Momente Revue passieren lassen. Uns deuchte, wir würden Paris als Photobuch nochmals durchblättern.

 

 

 

 

 

Am Seine-Lauf oberhalb Paris empfing uns die Stadt Melun mit einer konfortablen Stadtkade. Von hier weg mussten wir uns daran gewöhnen, dass die Ortschaften wieder kleiner wurden, dass der Stadtkern meist vollständig über eine Fussgängerzone abgeschritten werden konnte und dass die öV-Verbindungen nur noch im Halb- oder Ganzstundentakt zur Verfügung standen.

 

 

 

 

Von unseren Besuchen im Schloss Fontainebleau her kannten wir die Gegend bereits ein wenig. Was uns aber wegen Winterschliessung bisher verwehrt geblieben war, eröffnete sich von Melun aus. Wir konnten an Ostern das Schloss Vaux-le-Vicomte besuchen. Der Ort war voller Leben, hatten die Schlossherren doch zusammen mit der Firma Leonidas zu einem öffentlichen Schokoladeeier-Suchen geladen. Der Park war voller Kinder und Familien.

 

 

 

 

 

Dazwischen gelang es uns, doch noch einen Blick in die wunderschönen Innenräume zu werfen und die tragische Geschichte des Erbauers zur Kenntnis zu nehmen, der bis zu seiner willkürlichen Verhaftung daran geglaubt hatte, als oberster Berater von König Louis XIV eine massgebliche Rolle in der französischen Politik spielen zu können.

 

 

 

 

Über den Canal du Loing schleusten wir uns aufwärts bis Montargis, von wo aus wir mit dem Bus einen Abstecher nach Orléans machten.

 

 

 

 

Hier hatte Jeanne d'Arc Frankreichs Geschichte zu einer wesentlichen Wendung verholfen. Wir waren im Vorjahr bei Void-Vacon auf dem Canal de la Marne au Rhin sehr nahe an ihrem Geburtsort Domrémy-la-Pucelle vorbeigekommen und hatten bereits im Frühling 2014 in Rouen die Gedenkstätte ihrer Verbrennung besucht. In ach so vielen Kirchen hatten wir seither ein Standbild zur Erinnerung an die heilige Johanna gesehen. Der Besuch in Orléans rundete somit für uns die geografisch erlebte Biografie von Jeanne d'Arc ab.

 

 

 

 

Der Canal de Briare führte uns zur Loire und liess uns auf einem der schönsten Aquaedukte dessen breites Flussbett überqueren.

 

 

 

 

Der Loire folgend erreichten wir schliesslich Roanne, wo uns die australischen Freunde Katinka und Scott auf der MS Eendracht erwarteten, die wir 2011 in Holland kennengelernt hatten.

 

 

 

 

Von Roanne aus machten wir per Mietauto einen mehrtägigen Ausflug quer über das Massif central nach Lourdes und eine Tagesrundreise in die Pirenäen.

 

 

 

 

Das verschaffte uns herrliche Eindrücke von französischen Gegenden, die wir nie per Schiff erreichen können. Aber im Gegensatz zu unseren kleinen Streckeneinheiten auf dem Wasser von 15 - 35 km pro Tag bewältigten wir mit dem Mietauto über 1'000 Kilometer in einer Woche.

 

 

 

 

Dass sich Land und Leute dabei eher punktuell und weniger beziehungsvoll einprägen, ist verständlich. Trotzdem waren wir tief beeindruckt vom Massen-Pilgerort Lourdes und von den pyrenäischen Bergtälern, von wo die uns bekannten und wohlmundenden Käse "Ossau-Irati" und "Saint-Agur" herkommen.

 

 

 

 

Um unser Halbzeit-Ziel "Dijon" zu erreichen, durchquerten wir den Canal de Roanne à Digoin und von da an den Canal du Centre bis nach Chalon-sur-Sâone. Nach so viel Kanal- und Schleusen-Fahrten erlabten wir uns an der gemütlichen und weiträumigen Flussfahrt auf der Sâone bis Saint-Jean-de-Losne.

 

 

 

 

 

Hierbei begleitete uns Helga, eine Freundin aus Aachen, die wir 2013 im belgischen Lüttich kennengelernt hatten.

 

 

 

 

Beim letzten Fahrtstück stieg dann noch ihr Freund Henny bei.

 

 

 

 

Zu viert erreichten wir den Stadthafen in Dijon und geniessen da die freie und ruhige Stadtkade.

 

 

 

 

Dijon werden wir uns in den nächsten Tagen noch intensiver anschauen und dabei Sonnentage mit bis zu 40° Celsius zu bestehen haben. Ob's wohl andernorts auch so schön Sommer ist?

 

 

Wir weinen in Frankreich

 

 

 

 

Das Land zu durchfahren, ohne von dessen bekannten Weinen zu geniessen, wäre Sünde. So stiessen wir bei Schleuse 36 Houards am Canal latéral à la Loire auf eine Möglichkeit, verschiedene Weine von Sancerre einzukaufen und direkt zu bunkern. Den Wein von Sancerre hatten wir bereits im Hafen von Cergy kennen und schätzen gelernt. Von Ménétréol-sous-Sancerre aus konnten wir dann beim morgendlichen Joggen das Weinanbaugebiet von Sancerre überschauen.

 

 

 

 

In Roanne haben unsere Freunde Ton und Dicky uns mit ihrem Auto in der Umgebung herum geführt und in die Kellereien von J.P. Clair in Renaison mitgenommen. Von dort stammt seit 1896 ein sehr bekömmlicher Schaumwein, der nach der traditionellen Methode der Champagner gekeltert wird, sich aber nicht Champagner nennen darf, weil er ausserhalb des per AOC definierten Rebbaugebietes der Champagne befindet. Die Degustation überzeugte. Wieder zwei Schachteln gebunkert.

 

 

 

 

In Chagny am Canal du Centre überraschte uns die junge Weinbäuerin der Domaine de la Folie mit dem Angebot, uns gegen Abend am Hafen abholen zu kommen, das Weingut und die Kellereien zu zeigen, den Wein degustieren zu lassen und uns danach mit dem Auto wieder zum Hafen zurück zu bringen. Sie hat uns viel über die Reben, das Keltern und über Burgunderweine beigebracht. Verständlich, dass wir nicht mit leeren Händen zum Schiff zurück kehrten. Sie hat uns ausserdem für den Apéritif-Likör Ratafia begeistert und Grossmutters Johannisbeersirup als Zutat zum Kir royal schmackhaft gemacht. Unser Weinkeller wird immer reichhaltiger. Wie gut, dass sich bei diesen schönen Sommerabenden geeignete Gelegenheiten ergeben, ihm zuzusprechen.

 

 

 

 

Wir finden auch Freunde in Frankreich

Wo immer wir auf unserer Fahrt durch Frankreich anhalten, bieten sich feine Möglichkeiten, mit andern Menschen in Kontakt zu gelangen. Es ist ja eines unserer Ziele auf unserer Reise durch Europa, nicht nur Land, sondern Land und Leute kennen zu lernen. Da ist zum Beiospiel die kurze TGV-Bekanntschaft mit Annemarie aus Säriswil, die bereits seit Jahren mit ihrem französischen Guy verheiratet ist und in der Nähe von Melun wohnt. Sie haben uns in Montargis besucht und sind als Freunde abends nach Hause gefahren.

 

 

 

 

Da sind die Franzosen Marc und Monique, die auch in Cergy überwintert hatten, die wir in Melun wiedergesehen und unterwegs an ihrem neuen Liegeort Châtillon-sur-Loire zu einem Abendtrunk erneut aufgesucht haben.

 

 

 

 

Da sind die beiden Engländer Guy und Ruth, die schon seit Jahren in Frankreich wohnen und die uns auf der Vorbeifahrt in La-Chapelle-Montlinard spontan mit andern Gästen zu einem Nachtessen einluden.

 

 

 

 

Da waren Gérard und Michèle, die in Décise Burgunderschnecken zu unserem Ersterlebnis werden liessen.

 

 

 

 

Da  waren die Holländer Nico und Ianne, die während unserer Reise nach Lourdes auf unser Schiff im Hafen von Roanne aufgepasst hatten und mit denen wir danach noch ein paar herrliche Tage im Hafen verbringen durften.

 

 

 

 

Da waren die Australier Migel und Georgina, die mit uns und ihren Gästen in Fragnes am Canal du Centre lagen und gar viele Stunden mit uns die schönen Sommernächte auf der Bootsterrasse genossen.

 

 

 

 

Da waren die Engländer Anne und Mike, die über viele Tage mit uns in Dijon lagen, wo wir uns gegenseitig besuchten und gemütliche Stunden verbrachten.

 

 

 

 

Wir rentnern weiter

Gar oft haben wir das Gefühl einer Sonnenuhr: ".... zähl die sonnigen Stunden nur." Allein mit Mühe können wir uns der einzelnen Stunden mit "Huddelwetter" erinnern. Vielleicht gestattet uns das Pensionierten-Dasein einfach, jeden sonnigen Moment als solchen zu geniessen, weil wir unsern Tagesablauf darauf einstellen können. Das empfinden wir als grosses Privileg.  

 

 

Mit dem 22. Juni 2015 hatte Heinz das AHV-Alter erreicht, was wir mit einem fröhlichen Brunch in der Schweiz gefeiert haben. Da wir das Rentnerdasein nun schon fünf Jahre vorgezogen haben, bedeutete der Eintritt ins AHV-Alter für uns keine weitere Umstellung, nur ein administrativer Wechsel der Finanzierung. Da diese uns ermöglicht, weiter zu fahren, haben wir uns als nächste Ziele Besançon, Beaume-les-Dames, Belfort, Mulhouse und Colmar gesetzt, bevor wir Mitte Oktober in Strassburg, unserem nächsten Winterort, ankommen wollen.

 

 

Wir werden also ziemlich nah der Schweizer Grenze den Doubs hinauf schippern und nach Monbéliard durchs Sundgau in die Rheinebene runterfahren. Einen Teil der Strecke lernten wir vor Jahren bereits mit einem Mietboot kennen. Es wird eine interessante Strecke auf diesem kanalisierten Fluss, auch faszinierend für mitfahrende Gäste. Unsere Gästekabine hat noch freie Tage.

Wie wärs?   -  Ihre potentiellen Gastgeber:

Heinz und Bernadette

 

 

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 aktualisiert: 2.Juli.2015 / BG & HG