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Domaine de la Folie              Chagny, 2.6.2015

 
 

Nach dem Mittagessen, Bernadette machte gerade einen erholsamen Mittagsschlaf und Heinz las auf der Terrasse, entstieg eine junge Frau einem nahe von unserem Bootssteg parkierten Auto und fragte, ob wir Lust hätten, ihr Weingut besichtigen zu kommen. Es lag zuoberst auf einem Hügel. Heinz spürte schon den Muskelkater, den es absetzen würde, um dort hinauf zu radeln. Aber weit gefehlt. Die Frau anerbot sich, uns am Abend mit ihrem Auto abholen zu kommen und nach der Besichtigung auch wieder zurück zum Schiff zu fahren. Was also würde noch dagegen sprechen, ein Rendez-vous zu vereinbaren?

Clémence Dubrulle, Herrin der Domaine de la Folie
 

 

Die heutigen Bewirtschafter der Domaine de la Folie

Pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt wurden wir abgeholt und stiegen ins Auto von Clémence Dubrulle, die zusammen mit ihrem Gatten Baptiste in 5. Generation dieses Rebgut bewirtschaftet. Unterwegs schilderte sie uns die verschiedenen Reblagen und die Ausdehnung des Gutes. Wir kreuzten ihre Mutter Elisabeth, welche ihre Grosskinder von der Schule abgeholt hatte, und erreichten gemeinsam das stattliche Anwesen auf der Hügelkuppe, in welchem aktuell drei Generationen zusammen lebten und wirtschafteten.

Purer Zufall war es, dass wir just im richtigen Augenblick ein paar in Blüte stehende Rebstöcke sehen konnten. Dass die Reben blühen mussten, bevor sie Trauben hervorbringen konnten, war uns theoretisch klar. Doch noch nie hatten wir uns darum gekümmert, wann und wie die Reben blühen.

 

 

Blühende Rebe

 
 

Clémence zeigte uns die kleinen unscheinbaren Blütenblätter, die wirklich leicht zu übersehen sind. Sie sind so klein, dass sie - auf zwei Meter Abstand betrachtet - am grün beblätterten Rebstock keine farbliche Veränderung bewirken.

 
 

Ein Teil der Rebhänge der Domaine de la Folie

 
 

Die Weinbäuerin wies uns darauf hin, dass sich ab der nur wenige Tage dauernden Blütezeit ziemlich exakt der Erntezeitpunkt berechnen liesse. Das ist organisatorisch natürlich sehr wichtig, werden doch zur Erntezeit rund siebzig Hände die Trauben ablesen, diese sorgfältig in gelbe Plastikbehälter legen und die Eimer zur Presse fahren. Der daraus hergestellte Burgunderwein muss den Qualitätrserwartungen der Kundschaft entsprechen und kann daher nicht maschinell geerntet werden.

 
 

Das Herrschaftshaus der Domaine de la Folie

 
 

Unter dem gesamten Gutshaus verlief der Weinkeller. Bei dieser natürlichen Erdklimatisierung kann der Wein in den Flaschen reifen. Dazu eignet sich der Burgunderwein vortrefflich. Es gibt sie noch, die "Millesime"-Flaschen. Die heutigen Konsumenten tendieren jedoch immer stärker zum Genuss junger Weine, was die Rebbauern nicht unbeantwortet lassen.

 
 

Einer der Weinkeller der Domaine de la Folie

 
 

Am Ende des Rundganges traf man sich - wie könnte es anders sein - im Degustationsraum, wo sich auch Ehemann Baptiste und Jérôme, der Vater von Clémence, mit je ihren rundgeführten Kunden dazu gesellten. Neben verschiedenen Reifegraden von weissem und rotem "Rully" lernten wir bei dieser Degustation auch den "Ratafia - au Marc de Bourgogne" kennen, eine Mischung aus Traubenmost und Weinbrand, der meistens als Aperitif oder zum Dessert genossen wird. Welch eine Gaumenfreude! Aus Grossmutters Küche gab's auch einen vortrefflichen Cassis-Likör zum Verkosten. Von all diesen Herrlichkeiten sollte eine ausreichende Portion in unserem Schiffsrumpf eingelagert werden, bereit für kommende Gäste.... die nicht lange auf sich warten liessen, denn nach vier Monaten war der ganze Vorrat bereits genüsslich durch die verschiedenen Kehlen gegurgelt.

 
 

Degustationsraum der Domaine de la Folie

 

 

Übrigens: der Name "Domaine de la Folie", so erzählte uns Clémence, leite sich her von  einer ab dem 15. Jahrhundert beliebten portugiesischen Tanzmelodie "Folia / les folies d'Espagne", die in schneller Folge Töne auf und ab tanzen liess. Die Bewohner von Chagny, wenn sie bei warmem Wetter und nach viel Sonneneinstrahlung abends zum Rebberg hinauf schauten, hätten Irrlichter in der flimmernden Luft auf und ab tanzen sehen wie die Noten der Folia und so dem Berg den Namen gegeben.

 

 

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 aktualisiert: 26.November.2015 / HG