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Ostern, am 5.4.2015: 

Ausflug nach Vaux-le-Vicomte

 

 

 

 

Es war Ostern. Die Schleusen wurden nicht bedient. Wir lagen in Melun an der Petite Seine (d.h. oberhalb Paris). Es war ein ganz besonderer Liegeplatz, wie die Karte für diese Wasserstrasse in der deutschen Übersetzung uns mitteilte:

 

 

 

 

Bereits am Ostersamstag lautete die Wettervorhersage für das ganze Wochenende nur: Sonnig schön und frühlingswarm ! !

 

Das gab Lust für einen Ausflug. Viele Freunde hatten uns vom aussergewöhnlichen Schloss Vaux-le-Vicomte in der Nähe von Melun erzählt und uns einen Besuch schmackhaft gemacht. Nun waren wir nahebei und hatten Zeit. Eine touristische Busverbindung brachte uns vom Bahnhof Melun zum Schloss Vaux le Vicomte.

 

 

Wir waren aber nicht die einzigen, die an diesem Tag die Idee hatten, dorthin zu fahren. Die privaten Eigentümer hatten zusammen mit dem renomierten belgischen Schokoladevermarkter Leonidas ein öffentliches Eier-Suchen im Schlosspark ausgeschrieben. Das war für Tausende von Kindern mit ihren Eltern, Grosseltern oder sonst Begleitern ein bereits aus den Vorjahren bekannter Oster-Höhepunkt. Der Zustrom war mächtig. Wir standen ca. 2 Stunden vor der Eingangskasse an. In dieser Zeit unterhielten uns zwei englischsprachige Kinder. Sie suchten in der Wiese wie vergiftet nach Würmern, brachten diese her, legten sie auf Steinplatten und sorgten dafür, dass sie nicht davonkrochen. Da die Warteschlange mitsamt ihren Eltern jedoch langsam in Richtung Kasse vorrückte, waren die zwei Kinder voll damit beschäftigt, die Würmer stets auf neue Steinplatten voranzutragen. Gingen die Würmer vergessen, waren sie im Nu verschwunden und es mussten neue gesucht werden. Langsam kamen wir der Eintrittspforte näher und damit auch ans Ende des Wurmspektakels.

 

 

 

 

Unsere Warteschlange bewegte sich gegen den Uhrzeiger in Richtung Kasse am rechten oberen Bildrand. Jenseits der Wiese drängte eine zweite Warteschlange im Uhrzeigersinn hin zu derselben Kasse. Glücklicherweise waren wir auf der Sonnenseite und mussten nicht im Gebäudeschatten vorwärts schlurfen.

 

 

 

 

Dann endlich konnten wir das Schlossareal betreten und uns den klassisch-französischen Garten ansehen.

Das Schloss hatte der Finanzministers Nicolas Fouquet 1656 bis 1661 durch den Architekten Louis Le Vau errichten lassen. Den Park liess er durch den Gartenarchitekten André Le Nôtre gestalten. Die Innenausstattung entwarf der Maler Charles Lebrun. Schloss und Garten versetzten die Zeitgenossen in höchstes Erstaunen und sie zollten der Anlage ein begeisterndes Lob. Als der junge König Louis XIV dies sah, verpflichtete es die drei Künstler auf der Stelle für den geplanten Ausbau des Jagdschlosses von Versailles zum grössten europäischen Prunkpalast. Nicolas Fouquet, dem Entdecker der drei Künstler, jedoch war ein heimtückisches Schicksal mit tödlichen Folgen im Kerker beschieden. Seine wundervolle Schlossanlage überlebte dank umsichtig waltenden Nachbesitzern bis zum heutigen Tag.

Nicolas Fouquet, Schlossherr

 

 

André Le Nôtre (1613 - 1700)

Louis Le Vau (1612-1670)

Charles Lebrun  (1619-1690)

 

 

Schlossansicht von Norden

 

 

Westliche Betriebsgebäude

 

 

Schlossansicht von Süden

 

 

Der im klassizistischen Barockstil von André Le Nôtre erschaffene Schlossgarten ....

 

 

.... grosszügig belebt mit Wegen, Baumalleen, Treppen, Rasenflächen, Buchsbäumchen, Statuen, Teichen und Fontänen. Alle Gestaltungselemente des späteren Schlossparks von Versailles, sogar der Grand Canal, waren hier bereits eingearbeitet worden.

 

 

Nebst den verschiedenen Garten-Sektoren, welche für die Eiersuche abgesperrt waren und in die sich viertelstündlich eine neue Besuchergruppe auf Eierjagd hineinstürzte, belebten Ritter und Burgfräuleins mit ihren Wettkämpfen und Tänzen die Gartenanlage.

 

 

 

 

Natürlich haben wir auch das Innere des Schlosses besichtigt und mit dem Fotoapparat einige sehr schön gruppierte Ausstellungsobjekte festgehalten.

 

 

 

 

 

 

Am Ende des Nachmittags brachte uns der Bus zurück zum Bahnhof Melun, von wo aus wir über einen kurzen Fussweg zum Liegeplatz unseres Schiffes zurück fanden. Müde zwar, aber mit einem einzigartigen Ostererlebnis bereichert, griffen wir in das kleine Schächtelchen mit auserlesenen Schoko-Eiern, das wir beim Schlossausgang noch gekauft hatten und liessen den Rückblick auf diesen Tag langsam im Mund zerschmelzen.

 

 

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 aktualisiert: 28.1.2017 / BG & hg